LETZTE AKTUALISIERUNG 09.02.2026
COPYRIGHT 2012-2026 DEUTSCHER DALMATINER VEREIN E.V.
Lysosomale Speicherkrankheit (LSD) beim Dalmatiner
Eine seltene, aber schwerwiegende genetische Erkrankung.
Die
lysosomale
Speicherkrankheit
(LSD)
gehört
zu
den
seltenen,
erblichen
Stoffwechselstörungen
beim
Hund
und
stellt
insbesondere
für
den
Dalmatiner
eine
ernstzunehmende
neurologische
Erkrankung
dar.
Lysosomen
können
als
„Recyclingzentren“
der
Zelle
verstanden
werden.
Ist
ihre
Funktion
gestört,
sammeln
sich
nicht
abbaubare
Stoffwechselprodukte
an
und
schädigen
nach
und
nach
verschiedene
Organsysteme
–
vor
allem
das
zentrale
Nervensystem.
Da
erste
Symptome
typischerweise
ab
einem
Alter
von
etwa
18
Monaten
auftreten,
erscheint
ein
betroffener
Dalmatiner
zunächst
völlig
gesund.
Sobald
jedoch
die
Stoffwechselrückstände
beginnen,
Nervenzellen
zu
schädigen,
schreitet
die
Erkrankung
kontinuierlich
fort
und führt oft zu massiven Einschränkungen der Lebensqualität.
Ursache: Mutation im CNP
‑
Gen
Die
Erkrankung
wird
durch
eine
Mutation
im
CNP
‑
Gen
(2',3'-cyclic-nucleotide
3'-phosphodiesterase)
verursacht.
Dieses
Gen
spielt
eine
Schlüsselrolle
in
der
Bildung
und
Stabilisierung
von
Myelin,
der
schützenden
Hülle
rund
um
Nervenfasern
im
zentralen
Nervensystem.
Kommt
es
zu
einem
Mangel
des
entsprechenden
Enzyms,
werden
bestimmte
Abfallstoffe
in
den
Lysosomen
nicht
mehr
abgebaut.
Die
Folge
ist
eine
kontinuierliche
Schädigung
von
Nervenzellen,
die
sich
in
fortschreitenden
neurologischen
Symptomen
äußert.
Die
Erkrankung
ist
nicht
mit
anderen
genetischen
Defekten
zu
verwechseln,
die
beim
Dalmatiner
vorkommen
können,
wie
zum
Beispiel
dem
disproportionierten
Zwergwuchs
(PRKG2
‑
Gen).
Während
der
Zwergwuchs vor allem die Körperstatur betrifft, führt die lysosomale Speicherkrankheit zu tiefgreifenden neurologischen Ausfällen.
Vererbungsmodus: autosomal
‑
rezessiv
Die LSD wird autosomal
‑
rezessiv vererbt. Das bedeutet:
•
Hunde, die zwei fehlerhafte Kopien des Gens (je eine von jedem Elternteil) erben, erkranken.
•
Hunde mit nur einer mutierten Genkopie gelten als Träger und zeigen meist keine klassischen Symptome.
•
Neuere
Erkenntnisse
deuten
darauf
hin,
dass
auch
Träger
im
hohen
Alter
(9–12
Jahre)
leichte
neurologische
Veränderungen
entwickeln
können,
da
selbst
eine
teilreduzierte
Enzymaktivität langfristig Auswirkungen haben kann.
Für die Zucht bedeutet das:
Ein einziger, unerkannt vererbender Träger kann die Erkrankung über Generationen hinweg verbreiten, ohne dass sie zunächst sichtbar wird.
Symptome:
Schleichend, aber schnell voranschreitend. Die ersten Auffälligkeiten treten meist im jungen Erwachsenenalter auf und betreffen vor allem Verhalten und neurologische
Funktionen.
Typisch sind:
Verhaltensänderungen
zunehmende Angst oder Unsicherheit
Ruhelosigkeit, nervöses Pacing (zielloses Umherwandern)
Kreisen oder Verwirrtheit
Kognitive Einschränkungen:
Verlust erlernter Fähigkeiten
Orientierungslosigkeit, demenzähnliche Symptome
eingeschränkte Reizverarbeitung
Neurologische Ausfälle:
Koordinationsstörungen (Ataxie)
Gleichgewichtsprobleme
visuelle Einschränkungen
Körperliche Folgen:
Harn- und Kotinkontinenz
gestörtes Schlafverhalten
zunehmende körperliche Schwäche
Der
Krankheitsverlauf
ist
progressiv
und
lässt
sich
nicht
aufhalten.
Im
fortgeschrittenen
Stadium
ist
die
Belastung
sowohl
für
den
Hund
als
auch
für
den
Halter
erheblich,
sodass
die
Erkrankung häufig in einer Euthanasie endet.
Diagnose & Behandlungsmöglichkeiten
Eine
sichere
Diagnose
ist
durch
einen
Gentest
möglich,
der
in
spezialisierten
Laboren
wie
LABOGEN
und
FERAGEN
angeboten
wird.
Da
die
Krankheit
selten
ist
und
anfangs
unspezifische
Symptome
zeigt,
ist
der
Gentest
das
zuverlässigste
Mittel,
um
betroffene
Tiere
oder
Träger
zu
identifizieren.
Da
LSD
nicht
heilbar
ist,
konzentriert
sich
die
Behandlung
ausschließlich auf palliative Maßnahmen, wie:
•
Medikamente gegen Unruhe oder Angst
•
Schmerzmanagement
•
Hilfsmittel zur Unterstützung der Beweglichkeit
•
Anpassung der Umgebung für den Hund
•
emotionale Entlastung der Halter
Frühe Aufklärung und Kenntnis des genetischen Status sind deshalb essenziell.
Die Bedeutung für die Zucht – Verantwortung im DDV e. V.
Im DDV e. V. besteht derzeit die erfreuliche Situation, dass kein Zuchttier aufgrund einer Trägerschaft oder einer bestätigten Erkrankung aus der Zucht ausgeschlossen werden musste.
Damit
dieser
hohe
Gesundheitsstandard
langfristig
erhalten
bleibt,
verfolgt
der
Verein
eine
klare
Linie:
Alle
Zuchttiere
werden
genetisch
getestet,
um
sicherzustellen,
dass
keine
unerkannte
Mutation
weitergegeben
wird.
Dieser
verantwortungsvolle
Umgang
schützt
nicht
nur
zukünftige
Generationen
vor
einer
schweren
neurologischen
Erkrankung,
sondern
stärkt
auch das Vertrauen von Halter und Züchter in eine gesunde und nachhaltige Zucht.
Warum Tests so wichtig sind
Ein konsequentes Testen ermöglicht:
•
den Ausschluss der Mutation aus Zuchtlinien
•
die gezielte Planung gesunder Verpaarungen
•
Transparenz gegenüber Welpenkäufern
•
langfristige Sicherung einer stabilen und gesunden Population
Nur
durch
konsequente
genetische
Kontrolle
kann
gewährleistet
werden,
dass
zukünftige
Dalmatiner
des
DDV
auch
weiterhin
frei
von
dieser schweren Erkrankung bleiben.
Lysosomale Speicherkrankheit